

von Lukas Renner
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Social Media Agentur: 7 Fragen, die du stellen solltest, bevor du unterschreibst
Eine Social Media Agentur zu finden, ist heute nicht schwer. Angebote gibt es genug. Aber die richtige Agentur zu finden, die nicht nur schöne Posts baut, sondern auch Bewerbungen, Anfragen und Umsatz bringt, ist etwas anderes.
Bevor du also einen Vertrag unterschreibst, solltest du dir Zeit nehmen und der Agentur ein paar sehr konkrete Fragen stellen. In diesem Beitrag bekommst du sieben davon – inklusive Einordnung, worauf du bei den Antworten achten solltest.
Zielgruppe: kleine und mittelständische Unternehmen – egal ob Hotel, Gastronomie, Bauunternehmen, Autohaus, Dienstleistungsbetrieb, Handwerksunternehmen oder E-Commerce-Brand.
Frage 1: „Was ist das konkrete Ziel unserer Zusammenarbeit – in Zahlen?“
Wenn eine Agentur dir vor allem von „Reichweite“, „Likes“ und „Community-Aufbau“ erzählt, aber nie über Ergebnisse spricht, die für dein Unternehmen zählen, solltest du hellhörig werden.
Meist geht es im Mittelstand um:
- mehr qualifizierte Anfragen
- mehr Buchungen oder Verkäufe
- mehr passende Bewerbungen
- eine klar messbare Verbesserung der Sichtbarkeit bei deiner Zielgruppe
Was du hören willst:
- Dass die Agentur mit dir gemeinsam klare Ziele definiert: z. B. X Bewerbungen pro Monat, X qualifizierte Leads, X % mehr Anfragen über Social Media.
- Dass diese Ziele auch realistisch sind und mit deinem Budget zusammenpassen.
- Dass Ergebnisse wichtiger sind als reine Kosmetik („Hauptsache, der Feed sieht gut aus“).
Wenn du am Ende des Gesprächs nicht beantworten kannst, was die Agentur für dich konkret erreichen soll, ist das ein Problem – nicht bei dir, sondern beim Anbieter.
Frage 2: „Welche Leistungen bildet ihr inhouse ab – und was wird extern zugekauft?“
Eine gute Agentur muss nicht alles können. Aber sie sollte klar sagen können, was intern passiert und wo externe Partner im Spiel sind.
Red Flags sind:
- Die Agentur bucht für jedes Shooting extra Fotografen, Videografen und Designer dazu, weil sie nichts davon intern kann.
- Du bekommst für jede Kleinigkeit eine zusätzliche Rechnung: für jeden Drehtag, jede Grafik, jede kleine Änderung.
- Auf der Website oder im Gespräch klingt es zwar nach „alles aus einer Hand“, aber in Wahrheit verteilt sich alles auf Freelancer und andere Agenturen.
Das Gegenstück ist genauso gefährlich:
- Agenturen, die „alles“ machen: Social Media, Webseiten, Flyer, Pressearbeit, Printdesign, PR, Events, SEO, Recruiting, IT-Service und mehr.
- Wer alles anbietet, ist selten irgendwo richtig tief drin.
Was du hören willst:
- Dass die Agentur einen klaren Schwerpunkt auf Social Media Marketing und Performance legt.
- Dass es ein Team mit klaren Zuständigkeiten gibt (z. B. Content Creation, Performance Marketing, Projektmanagement) – nicht eine einzelne überlastete Person.
- Dass der Großteil der Arbeit intern passiert, damit das Know-how in der Agentur bleibt und du nicht komplett von einzelnen Freelancern abhängig bist.
Frage 3: „Wie sieht euer Standard-Prozess von Onboarding bis laufende Betreuung aus?“
Wenn eine Agentur „einfach mal loslegt“ und ohne klares Konzept anfängt zu posten, bezahlst du im Grunde für Trial & Error.
Frage konkret nach dem Ablauf, zum Beispiel:
- Wie startet ihr mit einem neuen Kunden?
- Wie lernt ihr unser Unternehmen, unsere Produkte und unsere Zielgruppe kennen?
- Was passiert in den ersten 4–8 Wochen?
Ein professioneller Prozess sieht typischerweise so aus:
- Onboarding-Phase
- gemeinsames Kick-off (online oder vor Ort)
- Verständnis für Geschäftsmodell, Positionierung, Ziele, Zielgruppen
- Klärung: Bewerbungen, Kundenanfragen, Umsatz – was steht im Vordergrund?
- Konzeptionsphase
- Look & Feel des Accounts
- Tonalität, Themen, Content-Formate (informativ, unterhaltsam, emotional)
- Abstimmung, wie intensiv Videocontent eingesetzt werden soll
- Content-Erstellung und Shooting
- Planung eines ersten Drehtags/Produktionstages im Unternehmen (z. B. auf der Baustelle, im Autohaus, im Hotel)
- Erstellung von Foto-, Video- und ggf. Grafikmaterial
- Abnahmeprozesse und Feedbackschleifen
- Veröffentlichung und Ads-Start
- regelmäßige Postings (mindestens 2x pro Woche ist ein brauchbarer Standard für Unternehmensaccounts)
- paralleler Start oder zeitnaher Aufbau von bezahlten Kampagnen
- Laufende Optimierung und Fixtermine
- regelmäßige Jour fixe (z. B. monatlich per Online-Meeting)
- Reporting, Auswertung, Anpassung der Strategie
Wenn der Prozess vage bleibt („Wir machen dann mal einen Redaktionsplan“) oder es kein klares Onboarding gibt, ist das ein Hinweis darauf, wie die Zusammenarbeit später laufen wird.
Frage 4: „Wie lange bin ich vertraglich gebunden – und warum?“
Laufzeiten sind ein sehr guter Indikator für das Selbstvertrauen einer Agentur.
Natürlich braucht jede Zusammenarbeit etwas Zeit, um Wirkung zu zeigen – vor allem, wenn Contentproduktion und Ads gemeinsam aufgebaut werden. Aber:
- Standardmäßig 12 oder gar 24 Monate Mindestlaufzeit bei jeder kleinen Zusammenarbeit sind ein schlechtes Zeichen.
- Wenn du mit überschaubarem Budget startest und direkt in einen 24-Monats-Vertrag gedrängt wirst, solltest du extrem vorsichtig sein.
Was aus der Praxis sinnvoll ist:
- Startlaufzeiten von z. B. 3 Monaten, um die Zusammenarbeit aufzusetzen und erste Ergebnisse zu sehen.
- Bei größeren Projekten und Budgets können 6–12 Monate sinnvoll sein – aber nur, wenn der Umfang das wirklich rechtfertigt.
Du kannst dir grob merken:
Wenn die Agentur dich länger bindet als einen internen Vollzeitmitarbeiter, sollte sie mindestens so viel leisten – und im Idealfall deutlich mehr, insbesondere messbar.
Frage auch:
- Was passiert, wenn es nicht passt?
- Gibt es klare Kündigungsfristen und einen sauberen Übergang?
Frage 5: „Wie oft bekomme ich ein Reporting – und was genau wird dort ausgewertet?“
Viele Unternehmen kennen das: Sie bekommen einmal im Monat eine PDF mit ein paar bunten Balken, Reichweitenzahlen und Follower-Wachstum – aber keiner kann erklären, ob das Ganze wirtschaftlich irgendetwas bringt.
Ein gutes Reporting sollte mindestens enthalten:
- die wichtigsten Kennzahlen der relevanten Kanäle (z. B. Reichweite, Interaktionen, Profilaufrufe, Website-Klicks)
- bei Ads: klare Zahlen zu Leads, Bewerbungen, Anfragen, Kosten pro Ergebnis
- Vergleich zum Vormonat und zur Zielsetzung
- eine kurze Einordnung: Was lief gut? Was lief nicht gut? Was wird als Nächstes angepasst?
Wichtige Punkte:
- Regelmäßigkeit: Monatliche Auswertungen sind Standard, gerade bei bezahlten Kampagnen.
- Verbindlichkeit: Reporting allein reicht nicht – es sollte zumindest in einem regelmäßigen Gespräch besprochen werden (z. B. Jour fixe online).
- Konstanz: Die Struktur sollte nicht jedes Mal komplett anders sein, sonst kannst du Entwicklung und Trends schlecht erkennen.
Wenn dein bisheriges Reporting hauptsächlich aus „Likes, Reichweite und schönen Screenshots“ besteht, ist es Zeit, die richtigen Fragen zu stellen.
Frage 6: „Wie werden Werbekonten und Zahlungsströme organisiert?“
Spätestens wenn es um bezahlte Werbung geht, brauchst du Klarheit. Eine Agentur, die alles „über ihr eigenes Konto“ laufen lässt und dir nur am Ende eine Gesamtrechnung schickt, kann im Zweifel machen, was sie will.
Sichere Variante:
- Du hast ein eigenes Werbekonto (z. B. bei Meta).
- Die Agentur bekommt Zugriff darauf und verwaltet Kampagnen in deinem Namen.
- Budget wird direkt von deinem Konto / deiner Kreditkarte abgebucht.
Vorteile:
- Volle Transparenz: Du siehst, was wirklich in Kampagnen fließt und was die Agentur als Honorar erhält.
- Dateneigentum: Wenn du einmal die Agentur wechselst, bleiben die gesammelten Daten, Zielgruppen und Learnings in deinem Konto.
- Langfristiger Erfolg: Gerade bei Meta-Ads sind historische Daten Gold wert – eine neue Agentur kann darauf aufbauen statt bei null anzufangen.
Wenn dir eine Agentur gar keinen Zugang zu deinem eigenen Werbekonto gibt oder alles nur über ihre Infrastruktur abwickelt, ist das mittelfristig eine riskante Abhängigkeit.
Frage 7: „Wie sieht euer Team aus – und wer ist mein konkreter Ansprechpartner?“
Social Media für Unternehmen ist längst kein Ein-Mensch-Thema mehr, vor allem wenn es um Videocontent, Ads, Funnel und langfristige Betreuung geht.
Eine professionelle Agentur kann dir klar beantworten:
- Wer dein fester Ansprechpartner ist (Projektmanager / Account Manager).
- Wer für Content Creation verantwortlich ist (Foto/Video, Grafik, Text).
- Wer die Ads aufsetzt, optimiert und überwacht (Performance Marketing).
Das hat mehrere Vorteile:
- Du weißt immer, an wen du dich wenden kannst, wenn Fragen auftauchen.
- Die Arbeit ist aufgeteilt – niemand muss „alles irgendwie mitmachen“, was meist zu Qualitätsverlust führt.
- Urlaubszeiten und Ausfälle können im Team aufgefangen werden.
Wenn alle Fäden bei einer einzigen Person liegen („Sie macht alles – Strategie, Content, Ads, Reporting, Kundensupport“), kannst du davon ausgehen, dass jeder Bereich nur sehr begrenzt Tiefe haben wird.
Fazit: Die richtige Social Media Agentur erkennst du an ihren Antworten
Ob Hotel, Autohaus, Handwerksbetrieb, Bauunternehmen, Dienstleister oder E-Commerce-Brand:
Die falsche Agentur kann dir viel Zeit, Geld und Nerven kosten. Die richtige wird zu einem verlängerten Arm deines Marketings – mit klaren Zielen, messbaren Ergebnissen und einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Wenn du die sieben Fragen aus diesem Artikel stellst, merkst du in der Regel sehr schnell:
- Wer dir nur „Feeds hübsch machen“ will.
- Wer dich in lange Verträge drängen möchte, ohne Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen.
- Und wer wirklich verstanden hat, dass Social Media für kleine und mittelständische Unternehmen ein Vertriebs- und Recruitingkanal ist – nicht nur ein Bilderbuch.

