Die ersten 90 Tage mit einer Social-Media-Agentur
Was passiert in den ersten 90 Tagen mit einer Social-Media-Agentur? Der realistische Fahrplan mit Zugängen, DSGVO-Pflichten und klaren Abbruchkriterien.

von Lukas Renner
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Du hast unterschrieben. Der Kickoff-Termin steht. Und jetzt? Die meisten Unternehmen wissen ziemlich genau, worauf sie bei der Auswahl einer Agentur achten sollen — aber kaum jemand weiß, was in den ersten drei Monaten der Zusammenarbeit eigentlich passieren muss, damit daraus etwas wird.
Genau da entscheidet sich aber alles: in Woche 2, wenn die Zugänge fehlen. In Woche 6, wenn die ersten Zahlen mager aussehen und niemand einordnet, ob das normal ist. In Woche 11, wenn unklar bleibt, wer woran gemessen wird.
Dieser Artikel ist der Fahrplan, den du dir vor dem Start durchlesen solltest — egal mit wem du arbeitest. Wir sind [mediarenner], eine Social-Media- und Performance-Agentur aus Regensburg mit Zweitstandort in München, aktiv in ganz Bayern. Was hier steht, ist der Ablauf, den wir mit Mittelständlern, Handwerksbetrieben und Praxen in Ostbayern und Oberbayern fahren — inklusive der Stellen, an denen es klemmt.
Was passiert in den ersten 90 Tagen mit einer Social-Media-Agentur?
In den ersten 90 Tagen baut eine Agentur die Grundlage, sie erntet noch nicht. Monat 1 ist Setup und Produktion, Monat 2 ist Ausspielung und erstes Lernen, Monat 3 ist Optimierung und die erste belastbare Bewertung. Wer nach 30 Tagen einen ROI erwartet, misst die falsche Sache zur falschen Zeit.
Das klingt unbequem, ist aber die ehrliche Version — und wichtig, weil überzogene Versprechen im Verkaufsgespräch der Hauptgrund sind, warum Agenturbeziehungen früh scheitern.
Zur Einordnung: Laut dem LSA/SWA-Branchenindikator 2026 (Befragung von 145 Werbeauftraggebern in der deutschen und französischen Schweiz, Oktober bis November 2025) arbeiten 38 % der Auftraggeber seit mehr als fünf Jahren mit ihrer Hauptagentur zusammen, weitere 15 % seit vier bis fünf Jahren. Auf der anderen Seite stehen 28 %, bei denen die Zusammenarbeit weniger als drei Jahre dauert oder auf einzelne Projekte begrenzt ist. Im Schnitt arbeiten die Befragten mit vier Agenturen gleichzeitig.
Die Zahlen stammen aus dem Schweizer Markt, das Muster kennen wir aus Bayern genauso: Entweder es wird eine lange Partnerschaft — oder es zerbricht früh. Die Weiche dafür fällt in den ersten 90 Tagen.
Tag 1 bis 30: Was passiert im ersten Monat?
Im ersten Monat wird nichts geerntet, sondern gebaut: Zugänge, Tracking, Strategie, Content-Produktion. Rechne damit, dass in dieser Phase noch wenig sichtbar ist — dafür fällt hier der größte Teil deiner eigenen Mitarbeit an.
Ein sauberer erster Monat sieht ungefähr so aus:
1. Kickoff-Workshop (Woche 1). Ziele, Zielgruppen, Angebote, Wettbewerb, Tonalität. Ein echtes Ziel ist nicht „mehr Sichtbarkeit", sondern „15 qualifizierte Anfragen pro Monat für Wärmepumpen-Modernisierung".
2. Zugänge und Rechte (Woche 1–2). Meta Business Manager, Werbekonto, Instagram- und Facebook-Seite, ggf. TikTok Business Center, LinkedIn-Unternehmensseite, Google Analytics, Website-Zugriff für Pixel und Conversions API. Wichtig: Die Konten gehören **dir**, die Agentur bekommt Partnerzugriff — nicht umgekehrt.
3. Messung vor Werbung (Woche 2). Pixel/Tag prüfen, Events definieren, Formularziele einrichten, Telefonanfragen erfassbar machen. Wer ohne Messung startet, diskutiert in Monat 3 über Gefühle statt über Zahlen.
4. Strategie und Redaktionsplan (Woche 2–3). Formate, Frequenz, Themencluster, Hook-Ansätze.
5. Erster Dreh- oder Produktionstag (Woche 3–4). Meist der Punkt, an dem es real wird — und der erste Termin, den du im Betrieb einplanen musst.
Realistisch ist: Der erste Post geht zwischen Tag 20 und Tag 35 live. Wenn eine Agentur dir verspricht, in Woche 1 zu posten, ist entweder das Setup dünn oder der Content beliebig.
Der Instagram-Logo-Wechsel als Lehrstück
Am 13. August 2026 hat Instagram-Chef Adam Mosseri ein überarbeitetes Logo vorgestellt — nach zehn Jahren mit der bekannten Schreibschrift. Die Reaktionen waren gemischt bis spöttisch, viele Nutzer lasen den neuen Schriftzug als „Instagzam", weil das R einem Z ähnelt.
Für dich ist das kein Weltuntergang, aber ein gutes Beispiel: Plattformen ändern sich laufend — Logos, Formate, Algorithmen, Werberichtlinien. Deshalb ist ein starrer 12-Monats-Contentplan wertlos. Was du brauchst, ist ein Prozess: feste Abstimmungstermine, klare Freigabewege, eine Agentur, die dich auf Änderungen aktiv hinweist. Frag im Kickoff ruhig direkt: „Wie erfahre ich von Plattform-Änderungen, die mich betreffen?"
Welche Zugänge braucht die Agentur — und was sagt die DSGVO dazu?
Sobald eine Agentur mit deinen Werbekonten, Lead-Daten oder Kundenlisten arbeitet, verarbeitet sie personenbezogene Daten für dich. Dafür braucht ihr in aller Regel einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO — und zwar bevor der erste Zugriff erfolgt, nicht danach.
Was in einem AVV nach Art. 28 Abs. 3 DSGVO mindestens drinstehen muss:
- Gegenstand und Dauer der Verarbeitung
- Art und Zweck der Verarbeitung
- Art der personenbezogenen Daten (z. B. Lead-Formulardaten, E-Mail-Adressen für Custom Audiences)
- Kategorien betroffener Personen (Interessenten, Bewerber, Bestandskunden)
- Pflichten und Rechte von dir als Verantwortlichem, inkl. Weisungsrecht, Unterauftragsverarbeiter, Löschung bei Vertragsende
Ein AVV, der einzelne dieser Punkte auslässt, ist unvollständig. Verstöße gegen Art. 28 sind nach Art. 83 Abs. 4 DSGVO bußgeldbewehrt — bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Der Punkt, den viele übersehen: **Ein AVV passt nicht auf jede Konstellation.** Wenn die Agentur weisungsgebunden umsetzt, was du vorgibst, ist das Auftragsverarbeitung. Entscheidet sie dagegen eigenständig mit, welche Zielgruppen mit welchen Daten angesprochen werden, kann daraus eine **gemeinsame Verantwortlichkeit nach Art. 26 DSGVO** werden — dann braucht ihr eine Joint-Controller-Vereinbarung statt eines AVV. Der Klassiker dieser Debatte ist das EuGH-Urteil zu Facebook-Fanpages von Juni 2018 (Rs. C-210/16). Dass die Abgrenzung bis heute nicht abschließend geklärt ist, zeigt ein Urteil des VG Köln vom 17. Juli 2025 (Az. 13 K 1419/23), das eine gemeinsame Verantwortlichkeit des Bundespresseamts mit Meta beim Fanpage-Betrieb verneint hat.
Frag die Agentur also vor dem Start, welche Vereinbarung sie für welche Leistung vorsieht — schriftlich. Wer darauf keine klare Antwort hat, hat das Thema nie durchdacht.
> Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung — bei konkreten Fragen wende dich an einen spezialisierten Anwalt.
Tag 31 bis 60: Wann sieht man die ersten Ergebnisse?
Im zweiten Monat entstehen die ersten echten Daten — aber es sind Lern-Daten, keine Erfolgs-Daten. Realistisch sind erste Anfragen ab Woche 6 bis 8, während organische Reichweite meist noch schwankt.
Was in Monat 2 passiert:
- Die Kampagnen verlassen die Lernphase. Meta braucht dafür eine zweistellige Zahl an Conversions pro Woche und Anzeigengruppe — bei einem Nischenangebot dauert das entsprechend länger.
- Erste Creatives fallen durch, andere überraschen. Das ist der Normalfall, kein Fehler.
- Organisch siehst du, welche Formate gespeichert und weitergeschickt werden — das ist 2026 aussagekräftiger als reine Views.
Der wichtigste Termin in dieser Phase ist das erste ausführliche Reporting-Gespräch. Es sollte aus drei Teilen bestehen: Was haben wir gemacht, was haben wir gelernt, was ändern wir daraus. Ein Report ohne Konsequenz ist eine PDF-Datei, keine Steuerung.
Tag 61 bis 90: Woran erkennst du, dass es funktioniert?
Nach 90 Tagen solltest du drei Dinge sehen: eine stabile Produktionsroutine, eine funktionierende Messstrecke und mindestens einen erkennbaren Trend nach oben — bei Anfragen, Anfragequalität oder Kosten pro Anfrage.
Konkrete Signale, dass die Zusammenarbeit trägt:
- Frequenz hält. Der Redaktionsplan wird eingehalten, ohne dass du hinterhertelefonierst.
- Die Kosten pro Anfrage bewegen sich in die richtige Richtung. Nicht unbedingt gut — aber besser als in Woche 4.
- Die Anfragen werden passender. Weniger Preisjäger, mehr Leute, die dein Angebot verstanden haben. Das ist oft wertvoller als mehr Anfragen.
- Dein Vertrieb merkt etwas. Der Satz „die kannten uns schon" häuft sich am Telefon.
- Du bekommst Antworten statt Ausreden. Wenn eine Kampagne nicht läuft, hört sich eine gute Agentur nicht wie eine Ausrede an, sondern wie eine Hypothese samt nächstem Test.
Setz dir für Tag 90 einen echten Review-Termin — im Kalender, mit Agenda, nicht nebenbei. Und leg die Kriterien dafür **vor** dem Start fest, nicht danach.
Was musst du als Kunde selbst liefern?
Der häufigste Grund, warum Social Media in den ersten 90 Tagen nicht abhebt, ist nicht die Agentur — es sind fehlende Zugänge, verschleppte Freigaben und kein Zugriff auf Menschen im Betrieb. Rechne im ersten Monat mit 4 bis 8 Stunden Aufwand auf deiner Seite.
Deine Bringschuld, ehrlich aufgelistet:
1. Eine entscheidungsbefugte Ansprechperson. Nicht drei Personen mit Vetorecht und niemand mit Verantwortung.
2. Freigaben innerhalb von 48 Stunden. Jeder Tag Verzug schiebt die gesamte Kette nach hinten.
3. Zugang zu echten Menschen. Der Chef, der Meister, die Praxisleitung, der Azubi. Gesichter aus dem Betrieb schlagen jedes Stockfoto — und sie sind der Grund, warum lokale Unternehmen auf Social Media überhaupt einen Vorteil haben.
4. Ehrliche Zahlen. Was ist ein Kunde durchschnittlich wert? Was darf eine Anfrage kosten? Ohne diese zwei Zahlen kann niemand seriös optimieren.
5. Schriftliche Einwilligungen für Mitarbeitenden-Aufnahmen. Das gehört organisatorisch in Monat 1, nicht auf den Drehtag.
Wann solltest du nach 90 Tagen aussteigen?
Steig aus, wenn nach 90 Tagen Grundlegendes fehlt — nicht, wenn die Zahlen noch nicht überzeugen. Fehlende Messung, fehlende Struktur und fehlende Erklärungen sind Abbruchgründe; ein noch zu hoher Anfragepreis ist keiner.
Klare Warnsignale:
- Es gibt nach drei Monaten kein funktionierendes Tracking und keine Erklärung, woran das liegt.
- Du bekommst Reichweitenzahlen statt Geschäftszahlen — Impressionen, aber keine Anfragen.
- Die Konten laufen auf die Agentur, nicht auf dich, und die Herausgabe wird vage beantwortet.
- Content wird ohne dich produziert und wirkt austauschbar — dieselben Vorlagen, die auch beim Wettbewerber laufen.
- Auf die Frage „warum funktioniert das nicht?" kommt keine Hypothese, sondern der Verweis auf den Algorithmus.
Umgekehrt: Wenn Setup, Routine und Messung stehen und die Richtung stimmt, ist Monat 4 bis 6 typischerweise die Phase, in der es wirtschaftlich interessant wird. Genau deshalb sind Verträge mit sehr kurzer Laufzeit oft ein schlechteres Geschäft, als sie aussehen — man zahlt die Aufbauphase und geht, bevor sie sich auszahlt.
FAQ: Häufige Fragen zum Start mit einer Social-Media-Agentur
Wie lange dauert es, bis eine Social-Media-Agentur Ergebnisse liefert?
Erste Anfragen sind bei Paid-Kampagnen realistisch ab Woche 6 bis 8 möglich, eine belastbare Bewertung ist nach etwa 90 Tagen sinnvoll. Rein organischer Aufbau braucht länger — hier sind sechs Monate ein realistischerer Horizont. Entscheidend ist weniger die Plattform als die Frage, wie viele Conversions pro Woche zusammenkommen, damit die Optimierung überhaupt Daten hat.
Wem gehören Werbekonto, Pixel und Creatives?
Werbekonto, Business Manager, Pixel und Zielgruppen sollten immer auf dein Unternehmen laufen; die Agentur erhält Partnerzugriff. Bei Creatives regelt der Vertrag die Nutzungsrechte — kläre vor der Unterschrift, ob du Bilder und Videos nach Vertragsende weiterverwenden darfst. Lass dir außerdem schriftlich zusichern, wie die Datenübergabe bei einem Wechsel abläuft.
Braucht meine Agentur einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
In der Regel ja: Sobald die Agentur weisungsgebunden personenbezogene Daten für dich verarbeitet — etwa Lead-Formulardaten oder Kundenlisten für Custom Audiences — ist ein AVV nach Art. 28 DSGVO erforderlich. Entscheidet die Agentur wesentlich über Zwecke mit, kann stattdessen eine Vereinbarung zur gemeinsamen Verantwortlichkeit nach Art. 26 DSGVO nötig sein. Das ist keine Rechtsberatung — im Zweifel anwaltlich prüfen lassen.
Wie viel Zeit muss ich als Unternehmen selbst investieren?
Im ersten Monat realistisch 4 bis 8 Stunden: Kickoff, Zugänge, Freigaben und ein halber bis ganzer Drehtag. Ab Monat 2 sinkt es meist auf 1 bis 2 Stunden pro Monat plus Reporting-Termin. Wer diese Zeit nicht einplant, verschiebt automatisch den gesamten Zeitplan nach hinten.
Lohnt sich eine regionale Agentur oder eine überregionale?
Für lokal verankerte Unternehmen — Handwerk, Praxen, Autohäuser, Gastronomie — ist Nähe ein echter Vorteil, weil Content vor Ort entsteht und Drehtage überhaupt stattfinden. Für rein digitale Geschäftsmodelle zählt Spezialisierung mehr als Entfernung. Frag konkret: Wie oft ist jemand physisch bei mir, und wer produziert den Content?
Fazit: 90 Tage sind kein Erfolgstest, sondern ein Fundamenttest
Nach drei Monaten weißt du noch nicht sicher, ob Social Media für dich das beste Kanal-Investment ist. Aber du weißt, ob die Zusammenarbeit trägt: ob gemessen wird, ob geliefert wird, ob erklärt wird und ob jemand Verantwortung übernimmt. Genau darauf solltest du in den ersten 90 Tagen schauen — nicht auf die Reichweite von Post Nummer sieben.
Du überlegst, mit einer Agentur zu starten, oder steckst in einer Zusammenarbeit, die sich zäh anfühlt? Wir schauen uns das gern konkret an: Setup, Messung, Content-Routine — und woran es bei dir tatsächlich hängt. [mediarenner] ist eine Social-Media- und Performance-Agentur aus Regensburg mit Standort in München, aktiv in ganz Bayern — von der Oberpfalz über Niederbayern bis Oberbayern.
Vereinbare ein unverbindliches Beratungsgespräch — wir sagen dir ehrlich, ob und wann sich das für dich rechnet.

